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#BENSBLOG Jahresrückblick 2025 – Herrlich war’s!

Voller Glück schaue ich auf mein Radsport-Jahr 2025 zurück! An drei großen Rennen habe ich erfolgreich teilgenommen, durfte als Organisator die andere Seite von Ultra-Events erleben und war auf einer eindrucksvollen Radreise durch Georgien unterwegs. In diesem Blog lasse ich mein Jahr Revue passieren und freue mich, besondere Momente mit euch zu teilen.

The Traka Adventure – In der Ruhe liegt die Kraft
Ultrarennen werden nie am ersten Tag entschieden, denn 200–250 km können viele schnell fahren. Entscheidend ist, wer sich ausreichend ernährt, seine Kräfte gut einteilt und letztlich mental frisch und mit Vorfreude in die Nacht startet, anstatt zu rechnen, wie lange man es nun ohne Tageslicht aushalten muss.

Auf Erfahrung kann man bauen
Das größte Gravel-Event Europas hatte es in sich. Aufgrund des unglaublich stark besetzten Feldes und des Prestiges dieser Veranstaltung war das 560 km lange Rennen entsprechend schnell. Hitze und eine herausfordernde Strecke machten es sehr anspruchsvoll. Einen Moment, der mir für alle weiteren Rennen Auftrieb gab, erlebte ich, als ich in meinem Abendtief steckte. Ich hatte schon länger keinen anderen Fahrer gesehen und befand mich auf Platz 7. Später sah ich Bilder von mir. Mein äußerlicher Zustand war erbärmlich. Doch das Spannende daran: Ich war völlig entspannt, denn dieses Tief holt mich bei jedem Rennen am ersten Abend kurz ein. Ich konnte aus Erfahrung darauf bauen, dass das Problem in meinem Kopf saß und nicht in den Beinen.

Nie aufgeben!
Ultrarennen entscheiden sich, sobald die Herausforderungen dem Titel entsprechen. Die Dunkelheit, die Anstrengung und die Müdigkeit machen den großen Unterschied zu „normalen“ Radrennen. Das war meine Hoffnung, die mich unweigerlich antrieb. Kurz nach dem Einschalten des Lichts machte sich mein Tief schnell vergessen und ich begann, Fahrer um Fahrer einzusammeln. Das klingt unterhaltsam, jedoch lagen zwischen einem eingeholten Fahrer und dem nächsten auftauchenden Rücklicht Stunden – nächster Unterschied zu einem „gewöhnlichen“ Rennen. Dranzubleiben und immer darauf zu bauen, dass ich im Moment dabei war, meine Stärke auszuspielen, brachte mich bei Tagesanbruch letztlich in den Sprint um Platz 2 gegen Seb Breuer. Meine Erfahrung, Selbsteinschätzung und der Glaube an die eigene Strategie und Stärke machten in dieser Nacht den Unterschied! Einzig ein paar aufgescheuchte Hasen, die völlig aus dem Nichts meine Fahrspur kreuzten, hätten meine Aufholjagd in dieser Nacht jäh beenden können.

TransAtlanticWay – Der spinnt doch!
Das Rennen durch Irland sollte mein Jahreshöhepunkt werden. Ich hatte mir vorgenommen, die 2500 km und 25.000 hm in ca. 5 Tagen zu bewältigen. Die Blicke sprachen Bände, wenn ich erzählte, dass ich vorhatte, am Tag 500 km zu fahren. Kaum jemand hielt es für möglich, aber aus Höflichkeit sprachen es nur die wenigsten aus.

Herrlich, wenn ein Plan funktioniert
Die Fahrt an der Westküste verlief wie ein Traum. Meine Beine spulten täglich die 500 km ab, als sei es das Normalste der Welt. Ich gratulierte meinem Onkel während des Rennens zum Geburtstag, antwortete auf ein zuckersüßes Video meines Patensohnes in derselben spielerischen Art und Weise oder sang aus voller Freude Freunden, die mir permanent motivierende Nachrichten schrieben, eine Antwort ein. Die Landschaft entlang der Küste, die Menschen, die Autofahrer und meine Verfassung ließen einzig und allein ein Wohlfühlen zu. Ich konnte mein Glück, nicht leiden zu müssen, selbst kaum fassen. Wind und Regen lächelte ich weg und wenn der einzige Wehmutstropfen aus 71 Minuten besteht, um die ich nicht unter 5 Tagen das Rennen gefinisht hatte, dann kann ich getrost von einem erfolgreichen Rennen sprechen.

Fahrradboykott mit unerwartetem Höhepunkt
Ich hatte mein Ziel erreicht. Hatte Spaß und dazu überlegen gewonnen – besser konnte es nicht werden, und so bestanden die Wochen nach Irland aus Nichtstun und Joggen. Auf den Fahrradsattel schwang ich mich in den folgenden 30 Tagen überhaupt nicht. Dafür schnürte ich zunächst aus Gewissensgründen, dann aufgrund von Motivation die Laufschuhe und absolvierte die 10 km bei meinem Heimatlauf in 36:30 min. So konnte ich neben einem genialen Ergebnis an diesem Tag auch einen Haken hinter meinen Fahrradboykott setzen und machte mich für die nächste Herausforderung bereit.

The Alps – Steigungsgrade am Limit
Die Fakten vor dem Start deuteten schon ein heftiges Klettern an: 3000 hm auf 100 km. Die Strecke jedoch zu spüren, war nochmals eine andere Hausnummer, als die bloßen Zahlen zu lesen. Wenn die Steigungsgrade dauerhaft einen Ticken zu steil sind, um sie im eigentlichen (Wohlfühl-)Renntempo fahren zu können und die Strecke teilweise Skipisten hinaufführt, dann ist der Kopf gefragt.

Gekonnter Umgang mit Problemen
Vom Start weg musste ich oft meinen Komfortbereich verlassen und hatte um die Mittagszeit meinen ersten Durchhänger. Auch an dieser Stelle machte sich meine Erfahrung bemerkbar: Das Kaffeetief wurde mit einem Koffeingel vergessen gemacht, denn auch hier war nicht der Kopf, sondern die Gewohnheit das Problem und einer kleinen Magenverstimmung konnte ich mit viel Wasserzufuhr entgegenwirken. Ich hatte einfach zu viele Kohlenhydrate in Relation zum Wasser zu mir genommen. Solche Kleinigkeiten einordnen zu können, machten in dieser Phase des Rennens den Unterschied. Ich musste nicht kurz anhalten und mir eine Pause gönnen, sondern baute stattdessen meinen Vorsprung enorm aus. Keiner der Teilnehmer sollte mich in diesem Rennen je wiedersehen :-).

Georgien – ein Land für Gravelbikes
Sucht man bei uns bewusst schöne Kieswege, so fährt man in Georgien häufig selbstverständlich auf wunderbaren Kiesstraßen. Die Haupttouristengegend um Mestia und Ushguli ist aufgrund ihrer einmaligen Gletscherwelt inzwischen fast durchgehend auf befestigten Straßen zu erreichen, der Kleine Kaukasus jedoch ist ein Paradies für das Gravelbike!

Kleiner Kaukasus – der Inbegriff von Freiheit
Im Hinterland um Bakhmaro gibt es zahllose unbefestigte Passstraßen, die mein Herz höherschlagen ließen. Abgelegen, auf rauen Wegen häufig oberhalb der Baumgrenze zu radeln und das Zelt wild in dieser einsamen und wunderschönen Bergwelt aufzuschlagen, war der Inbegriff von Freiheit. Die einzigen Schaulustigen beim Zelten waren Kühe und wilde Pferde, ansonsten ließen sich nur vereinzelte Touristen auf Motocross-Motorrädern oder Bauern, die nach Ihren Tieren schauten, blicken.

Ein Rennfahrer im Genussmodus
Durch Georgien zu graveln, war in vielen Bereichen das Gegenteil meiner Rennen: Ein Zelt und ein gemütlicher Schlafsack ersetzten die Rettungsdecke, die mir im Rennen bei entsprechendem Zustand denselben Komfort gibt. Der Straßengraben wurde durch sorgfältig ausgewählte Zeltplätze mit Gletscher-, Meer- oder Bergsicht ersetzt und bewusst eingekaufte, regionale Produkte an einem schönen Plätzchen zu genießen, war deutlich abwechslungsreicher als während der Fahrt den Körper nonstop mit abgepackten Riegeln und Gels zu füttern. Pausen einzulegen, um ein Foto zu knipsen oder einfach einen schönen Moment zu genießen, gehören ebenfalls zu den Dingen, die ich mir während eines Rennens nie gönnen würde…Letztlich hat für mich allerdings dieses Streben nach Geschwindigkeit und Zeitersparnis, das Messen mit anderen und mich selbst ans Limit zu führen einen unfassbaren Anreiz. Ich kann die Saison 2026 kaum erwarten.

Alb-Packa – Neuer Blickwinkel
Georgien war der erhoffte genussvolle Abschluss auf dem Rad, denn nun wechselte ich die Seite und erlebte in der Folge ein Ultra-Bikepacking-Event aus der Sicht des Veranstalters.

Erstes Ziel: die Startlinie
Aus eigener Erfahrung kenne ich es, aber aus Veranstaltersicht war es nochmals eindrücklich zu beobachten, wie schwer es ist, überhaupt an der Startlinie zu stehen!
Man meldet sich Monate im Voraus für ein Rennen an, und an Tag X muss alles passen. Gesundheit und körperliche Probleme können einem einen Strich durch die Rechnung machen, man bekommt Ängste, weil man doch nicht so viel trainieren konnte, wie gedacht und man merkt erst beim Näherkommen des Events, was man eigentlich alles schon bedacht haben sollte bezüglich Ausrüstung und Planung. Den Druck, den man verspürt, kann nur von denen nachvollzogen werden, die sich schon einmal zu solch einem Rennen angemeldet haben.

Die zwei Seiten des Trackers
Bei Ultraevents kann ein Sportler aufgrund des Trackers sehr detailliert verfolgt werden. Es steht nicht nur am Ende eine Zeit online, sondern man sieht, wann gestoppt wird, wo gestoppt wird, wie lange jemand Pause macht und wie schnell jemand fährt. Ein Zuschauer kann von zu Hause erkennen, ob Kräfte schwinden und Plätze verloren werden oder jemand zulegt und andere überholt. Dieser Druck wird von den meisten Menschen unterschätzt! Nicht ohne Grund standen von den genannten 22 Top-Athleten bei The Traka nur ca. ein Drittel am Start. Ebenso bei Alb-Packa!                                                         Unglaublich vielen war etwas dazwischengekommen. Ich habe höchsten Respekt vor allen, die dann wirklich starten! 

Erfolg auf ganzer Linie
Verschwitzte Radler nach den vollen ca. 500 km in den Arm zu nehmen, sie zu beglückwünschen, sie zu feiern und sich mit ihnen zu freuen, war genauso schön wie Teilnehmer zu empfangen, die aus verschiedenen Gründen das Rennen vorzeitig beenden mussten.
„Ich bin euch so dankbar! Ich hätte das nie gemacht! Noch nie in meinem Leben bin ich soweit gefahren! Danke!“ Nein, das war nicht der Sieger, aber er fühlte sich wie einer – und das, obwohl er bei Kilometer 352 das Rennen völlig erschöpft aufgeben musste. Andere Teilnehmer trotzten acht Plattfüßen und waren überglücklich, auch wenn ihr Rennen einen völlig unerwarteten Verlauf genommen hatte.

Bei meinen Rennen bekomme ich meistens gar nicht mit, was die Teilnehmer im hinteren Drittel alles durchmachen und was auf der Strecke alles passieren kann. Es war wunderschön mitzuerleben, dass alle Teilnehmer, völlig unabhängig von der Platzierung, ein einmaliges Erlebnis hatten – wenn auch auf völlig verschiedene Art und Weise.
In das Alb-Packa wurde unglaublich viel Herzblut investiert, doch wir Veranstalter bekamen genauso viel von den Teilnehmern zurück.

Es war ein wunderbar rundes Radsportjahr für mich, aus dem ich viel mitnehmen werde. Für die Saison 2026 habe ich mich zu mehreren spannenden, verrückten und landschaftlich reizvollen Rennen angemeldet und das Alb-Packa wird auch wieder stattfinden. Es gibt also Grund zur Hoffnung, dass das kommende Jahr ähnlich schön wird. Ich freue mich schon darauf, euch im nächsten Blog davon zu berichten.

Gruß Ben

Hegelstraße 7
72663 Großbettlingen
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