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#BENSBLOG MOTHER NORTH – mit Dynamit durch Norwegen

Am Sonntag, den 2.8.26 fällt um 9 Uhr in Lillehammer der Startschuss für das „Mother North“ - 1100 Kilometer, rund 18.500 Höhenmeter und das Ganze unsupported. Es geht einmal quer durch eines der landschaftlich wohl beeindruckendsten Länder Europas. Fjorde, Seen und schroffe Berge, die wirken wie 3000-er, obwohl sie häufig gerade einmal 1000 Meter hoch sind. Allein beim Blick auf die Route steigt die Vorfreude.

Ein kleines Nachhausekommen

Mit Norwegen verbinde ich weit mehr als nur ein Rennen. Es fühlt sich ein wenig wie Heimkommen an. Vor einigen Jahren durfte ich ein halbes Jahr in Alta studieren. Die meiste Zeit verbrachte ich allerdings nicht in Hörsälen, sondern draußen in der Natur. Da mein Aufenthalt in den Winter fiel, standen vor allem die Langlaufski im Mittelpunkt.

Ein besonderes Erlebnis war die Durchquerung der Finnmarksvidda. Drei Tage war ich bei Temperaturen bis -19 °C unterwegs, zog einen Schlitten mit Gepäck hinter mir her, schlief im Zelt auf Schnee und gewann mein Trinkwasser, indem ich Eis schmolz. 

Auch das Fahrrad begleitete mich auf einer Wintertour. Von Alta fuhr ich nach Hammerfest. Statt schneller Gravelreifen waren Spikes montiert, damit Eis und Schnee nicht das letzte Wort hatten. Das komplette Übernachtungsequipment trug ich dabei im Rucksack, was im Winter deutlich üppiger ausfiel. Der war so voll, dass mein Helm ständig dagegen drückte und ich meinen Kopf kaum aufrichten konnte.

Diesmal wird das ganz anders. Das Gepäck schrumpft auf das Nötigste zusammen und ich werde einen entspannten Blick auf die Landschaft werfen können.

Norwegische Gastfreundschaft

Auch an das Ende meines Aufenthalts denke ich immer wieder gerne zurück. Damals zog es mich noch an den Oslofjord. Eigentlich wollte ich nur den Holmenkollen besuchen und mir die berühmten Langlaufloipen und die Skisprungschanze anschauen. Auf dem Weg dorthin sprach mich eine ältere Dame an und fragte, was ich vorhätte. Als ich ihr erzählte, dass ich ein paar Tage die Gegend erkunden wolle, bot sie mir spontan an, bei ihr zu übernachten. Ihr Sohn sei ausgezogen und eine komplette Wohnung stehe leer. Ich bedankte mich freundlich, blieb aber zunächst bei meinem Plan und schlug mein Zelt oberhalb von Oslo mit Blick auf den Holmenkollen auf. Am nächsten Morgen war es allerdings so kalt, dass ich doch an ihrer Haustür klingelte. Sie freute sich über meinen Besuch, kochte Kaffee und ließ mich erst einmal wieder auftauen. Wir unterhielten uns lange. Sie war Berufsmusikerin, spielte Harfe und Klavier, und die Chemie stimmte sofort. Irgendwann fragte ich sie, ob sie zufällig ein Fahrrad hätte. Tatsächlich stand noch ein altes Mountainbike im Keller. Gemeinsam brachten wir es wieder zum Laufen und ich brach damit auf eine 3- tägige Tour um den Oslofjord auf.

Genau das ist Norwegen! Diese Offenheit und Gastfreundschaft freue ich mich jetzt wieder erleben zu dürfen.

Schöne Natur, harte Strecke

Die Strecke selbst dürfte alles andere als einfach werden. Start und Ziel liegen in Lillehammer. Dazwischen wartet eine große Schleife, die praktisch nie wirklich flach wird. Bei Kilometer 400 führt die Route über den Valdresflye Pass auf etwa 1400 Meter hinauf auf eine Hochfläche. 1400 Meter klingt für südeuropäische Ohren zunächst harmlos. Doch dort oben in Norwegen fühlt sich das klimatisch und landschaftlich eher wie 2500 Meter in den Alpen an. Sollte dort das Wetter umschlagen, kann es schnell ungemütlich werden.

Besonders freue ich mich auf den Abschnitt zwischen Kilometer 600 und 850. Gleich dreimal geht es hinunter bis auf Meereshöhe – unter anderem nach Øvre Årdal, Lærdalsøyri und Flåm. Von dort führen kleine Serpentinenstraßen jedes Mal wieder hinauf auf 1100 bis 1400 Meter.

Es wird sicherlich ein Traum von Strecke für ein Gravelrennen. Ob ich mir die Zeit für ein Foto nehme?

Versorgung

Einkaufsmöglichkeiten wird es ungefähr alle 100 Kilometer geben. Mal eine Tankstelle, mal einen Supermarkt oder einen kleinen Dorfladen. Brunnen wird man dagegen kaum finden. Wasser bedeutet also meist einen kurzen Einkaufsstopp. Sollte die Strecke allerdings an klaren Gebirgsbächen vorbeiführen, kann man diese in Norwegen in der Regel bedenkenlos nutzen oder zur Not mit einer Micropur Tablette auf Nummer sicher gehen.

Waden wie Dynamit!

Mit meiner Form bin ich glücklich! Vergangene Woche war ich noch mit meinen Schülern auf einem Fahrradausflug unterwegs und nach wenigen Metern rief ein Schüler nach vorne:

„Boah Herr Koch, deine Waden sind ja Dynamit!“

Sollte es unterwegs einmal schwierig werden, werde ich mich einfach an diesen Ausruf erinnern.

Bewährtes Material

Beim Gepäck setze ich auf Altbewährtes. Eine Weste, zwei Windjacken und leichte Handschuhe begleiten mich zusätzlich zu den dauerhaft getragenen Beinlingen, Trikot und Hose. Meinen Trinkrucksack habe ich mit reflektierenden Streifen versehen und erfülle damit gleichzeitig die Vorschrift einer Warnweste.

Mein Avona Callis wird mit 45 Millimeter Schwalbe G-One R an den Start gehen. Der Reifen rollt kaum langsamer als der RS, bietet aber deutlich mehr Pannensicherheit und dürfte mit den wechselnden Wetterbedingungen in Norwegen bestens zurechtkommen.

Die Aeroauflieger sind bei einem Rennen dieser Länge ohnehin unverzichtbar. Sie entlasten Hände und Oberkörper und ermöglichen auf schnellen Abschnitten eine deutlich entspanntere Sitzposition.

Sitzen werde ich wieder auf dem Fizik One-to-One. Nach den Erfahrungen der vergangenen Rennen bin ich überzeugt, dass ich damit die norwegische Landschaft schmerzfrei genießen kann.

Keine Brille zu verschenken

Außerdem habe ich endlich eine Lösung für ein Problem gefunden, das mich seit Jahren begleitet. Ich scheine ein echtes Talent dafür zu besitzen, bei Ultracycling-Rennen Sonnenbrillen zu verlieren. Meist merke ich erst Stunden später, dass sie verschwunden ist, ohne sagen zu können, wann oder wo. Diesmal bekommt sie es deshalb mit einem kleinen Klettverschluss zu tun und sollte sich nicht vom Helm losreißen können. Vielleicht bleibt sie mir so tatsächlich bis im Ziel erhalten.

Der ersehnte Befreiungsschlag?

Sportlich hoffe ich auf einen Neustart. In den vergangenen Jahren lief vieles nahezu perfekt. 2026 dagegen wollte bisher nicht mein Jahr werden. Ein Rennen musste ich wegen Krankheit abbrechen und ein weiteres konnte ich gar nicht antreten. Um das Ganze noch zu toppen, meinte ich vor zwei Wochen mit hoher Geschwindigkeit frontal in ein Auto krachen zu müssen. Dank eines erstaunlich sauberen Saltos – die B-Note hätte sicherlich kaum Luft nach oben gehabt – landete ich unverletzt auf der Motorhaube, ohne dass mein Helm überhaupt das Auto berührte. Nicht einmal ein Kratzer blieb zurück und selbst am Rad hat sich trotz genauester Untersuchung von Hardys nichts finden lassen. Spricht für Avona und Dt Swiss! Ein kleines Wunder. Ich werte das einfach einmal als gutes Zeichen.

Es kann nur gut werden!

Ich freue mich riesig auf Norwegen. Auf die Landschaft, die Menschen, die langen Anstiege, die vielen Höhenmeter und Ausblicke und hoffentlich auf viele spannende Begegnungen unterwegs. Natürlich hoffe ich auch auf ein schnelles Rennen. Noch viel mehr hoffe ich aber auf genau das, was mich seit Jahren an diesem Sport fasziniert: besondere Erlebnisse, an die ich mich noch lange erinnern werde.

Wenn ihr mich auf meinem Weg durch Norwegen begleiten möchtet, könnt ihr mich mit der Startnummer 14 ab Sonntag, 9 Uhr, live verfolgen: https://www.followmychallenge.com/live/mother-north-2026/

Ich freue mich über jeden, der mitfiebert.

Hilsen Ben

Hegelstraße 7
72663 Großbettlingen
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