


Unknown Race – Lasst die Spiele beginnen
Am 31. März um 9:00 Uhr fällt im spanischen Reus, südlich von Barcelona, der Startschuss für das Unknown Race. Doch der eigentliche Beginn des Rennens ist schon eine Stunde früher. Um 8:00 Uhr wird ein Handyvibrieren die Teilnehmer in Aufruhr versetzen – die Koordinaten des ersten Checkpoints sind eingetroffen.
Auf diesen Moment freue ich mich und bin gespannt. Es bedeutet zum einen eine Situation, die ich so aus keinem vorangegangenen Rennen kenne und zum anderen bedeutet es für mich den Start in eine aufregende Radsaison 2026.
Das ist der eigentliche Start: Karten werden geöffnet, Routen geplant und Optionen durchgespielt. Jeder versucht in kurzer Zeit den geschicktesten Weg zum ersten Ziel zu finden, um mit der für ihn perfekten Route an der Startlinie zu stehen. Ich bin sehr gespannt, welche Atmosphäre herrschen wird und ob es eventuell schon erste Krisen vor dem Start geben wird, weil z. B. die Technik nicht das hergibt, was man sich vorstellt. Jeder, der schon einmal bei einem Wettbewerb am Start stand, weiß, wie aufregend der Moment vor einem Start ist, was einem noch alles einfällt, was man noch schnell machen sollte, und wie viel schiefgehen kann. „Unknown“ ist mit seinen verschärften Bedingungen vor dem Start geradezu prädestiniert dafür.
Im weiteren Verlauf erhält man beim Erreichen eines Checkpoints die Koordinaten des jeweils nächsten. Wie viele Ziele es insgesamt abzufahren gilt, weiß man im Voraus nicht. Man kennt nur die Rahmenbedingung von ca. 1000 Kilometern. Genau dieses Ungewisse macht für mich den besonderen Reiz von „Unknown“ aus. Selbstverständlich findet das Rennen im Unsupported-Modus statt. Hilfe von außen ist nicht erlaubt.
Spielglück ist gefragt
In den letzten Jahren bin ich von krankheitsbedingten Trainingspausen immer verschont geblieben. Dieses Jahr hat es mich allerdings erwischt. Der gesamte Februar fiel für mich praktisch aus – mein Rad stand still. Entsprechend gehe ich körperlich definitiv nicht optimal vorbereitet an den Start. Ganz anders als noch im letzten Jahr, als ich mit meiner Vorbereitung für „The Traka“ nicht zufriedener hätte sein können. Wie ich bereits in meiner Jahresvorschau geschrieben habe, hat dieses Rennen für mich ohnehin einen stark spielerischen Charakter. Wenn die Fitness also nicht perfekt ist, muss eben ein anderer Ansatz her. Mehr Zocken und ein wenig auf mein Spielglück hoffen. Mein Grundtempo wird vermutlich etwas langsamer sein als im letzten Jahr. Aber vielleicht kann eine clevere Routenwahl, wenige Pausen und gutes Sitzfleisch in den langen Nächten einiges wettmachen.
Lange Nächte
Die Nächte werden vermutlich einer der entscheidenden Faktoren. Ich rechne mit rund 10,5 Stunden absoluter Dunkelheit. Mental wird das nicht einfach. So lange unterwegs zu sein, ohne optische Reize, ohne landschaftliche Eindrücke, ohne wirkliche Ablenkung, kann ziemlich zermürbend sein. Gleichzeitig ist es auch ein wenig schade, so viel vom schönen Katalonien durch Dunkelheit zu verpassen. Wo die Route letztlich entlangführt, weiß natürlich noch niemand. Ich rechne jedoch stark mit einem Abstecher in die Pyrenäen. Sobald man sich dort nachts ein paar Höhenmeter über Meereshöhe bewegt, kann es schnell ziemlich frisch werden.
Erfahrung der harten Sorte
Beim Thema Kleidung wird weiterhin Gewicht gespart. Ein paar Dinge habe ich aber ergänzt. Beim „Catalunya Trail 2023“ war ich um diese Jahreszeit in den Pyrenäen unfassbar durchgefroren. Damals mussten mir Plastiktüten über den Socken aushelfen und mein Körper zeigte mir beim Fahren durch Hustenanfälle und grüne Stückchen, die ich dabei ausspuckte, dass ich eindeutig über dem Limit war, was ein Körper eigentlich ertragen kann. Die leichte Windjacke war zu wenig und selbst die elektronische Schaltung konnte ich nur noch mit der Faust anstatt mit einem leichten Antippen mit einem Finger bedienen. Das möchte ich diesmal vermeiden. Deshalb kommen ordentliche Handschuhe, Überschuhe und eine zweite Windjacke ins Gepäck. Man lernt schließlich aus seinen Fehlern. Ich bin in der Theorie schwer zu überzeugen, aus Vorsicht einen Nachteil in Kauf zu nehmen. In diesem Fall hat mich die Praxis gezeigt, dass zusätzliches Gewicht auch hilfreich sein kann.
Material – ein Mix aus zwei Rennen
Beim Setup setze ich auf eine Mischung aus meinen Erfahrungen beim „TransAtlanticWay „und bei „The Alps“ .
Bei den Reifen bleibe ich bei 35 mm Continental AS TL, die sich in Irland bereits bestens bewährt haben. Da es darum geht, eine möglichst schnelle Strecke zu wählen, werde ich voraussichtlich sehr viel auf befestigten Wegen unterwegs sein. Sollte sich aber eine Abkürzung auf unbefestigtem Untergrund anbieten, dann weiß ich, dass der pannensichere Conti-Reifen auch hier zuverlässig sein wird. Dazu kommen Aero-Auflieger von ENVE mit Schaltern an den Aerobars. Diese Position hat für mich hervorragend funktioniert und wird auch hier wieder zum Einsatz kommen.
Bei den Taschen orientiere ich mich eher am Setup von „The Alps“: Eine lange Oberrohrtasche, sowie eine kleine Rahmentasche von Tailfin sollten genügen.
Da ich die Strecke nicht vorbereiten kann, gehe ich beim Thema Wasser lieber auf Nummer sicher. Neben 1,7 Litern am Rad werde ich zusätzlich 1,5 Liter in einem Trinkrucksack von Evoc mitführen.
Beim Fahrradcomputer setze ich auf den Coros Dura. Der große Vorteil: Mit der versprochenen Laufzeit von 120 Stunden sollte ich ohne zusätzlichen Akku auskommen.
Für Komfort und hoffentlich wenige Pausen sorgt wieder der One-to-One-Sattel aus dem 3D-Drucker von Fizik, der sich bereits bei „The Alps“ bewährt hat.
Für den Durchblick in den langen Nächten wird die Lupine Neo Lampe sorgen. Da ich beim letzten Rennen 2025 tatsächlich die komplette Strecke mit meiner Ersatzstirnlampe fahren musste, habe ich mich diesmal bewusst dazu entschieden, eine zweite Lampe mit mehr Leuchtkraft mitzunehmen – auch wenn das ein paar Gramm mehr bedeutet. Ich habe deshalb die Black Diamond Spot 400 als Ersatz dabei. Für den absoluten Worst Case läuft die Ersatzlampe mit AAA-Batterien, die man im Zweifel fast überall bekommt. Mein Rücklicht werden zwei CatEye Wearable Mini mit einer Leuchtdauer von 140 h bei nur 12 g sein.
Mein Rad
Mein gesamtes Setup wird an meinem neuen und wunderschön lackierten Avona Callis Gravelbike befestigt sein. Der gleiche Rahmen wie zuvor – nur noch schöner. Auf der Gabel dieses Rades befinden sich bereits einige Erinnerungen an vergangene Abenteuer. Kleine Symbole, die für bestimmte Events stehen. Sollte auch das „Unknown Race“ auf seine ganz eigene Weise unvergesslich werden – was ich sehr hoffe –, bekommt auch dieses Rennen einen Platz auf meiner Gabel. Viele Mitstreiter werden - wie auch in Irland - vermutlich mit einem reinen Rennrad an den Start gehen. Ich dagegen verlasse mich auf mein aerodynamisches Avona Callis und freue mich über den Vorteil der angenehmen Sitzposition, die auch nach unzähligen Stunden im Sattel zu keinerlei Problemen führen sollte. Meine SRAM RED XPLR 1x13 Schaltung wird wie gewohnt keinerlei Wünsche an Gangwahl oder Zuverlässigkeit offenlassen und um kleinsten Widerständen zuvorzukommen, werden Ceramicspeed-Schaltkäfig, sowie Tretlager mich unterstützen.
Am Ende zählt das Erlebnis
Die sonnigen, frühlingshaften Tage der letzten Wochen haben das ihre dazu beigetragen, dass ich mich riesig auf die Herausforderung in Reus freue. Diesen Schwung möchte ich mitnehmen und bin gespannt, mit einem Fahrer wie dem Österreicher Christoph Strasser am Start zu stehen, dem vermutlich bekanntesten Extrem-Radsportler der Welt, auch wenn es nach der langen Trainingspause schwer werden dürfte, ihn auf der Strecke zu ärgern.
Es warten sicherlich viele spannende Begegnungen mit Teilnehmern in Reus auf mich, eine wilde, unvorhersehbare Jagd durch Katalonien mit 1000 km voller spontaner Entscheidungen und aller Voraussicht nach zwei sehr langen Nächten. Perfekte Voraussetzungen, um mit einem großartigen Erlebnis in der Tasche wieder heimzufahren.
Wer auf das Ungewisse des „Unknown“ Lust hat, findet mich und das Rennen hier:
https://followmychallenge.com/event/1293/
Gruß
Ben






