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MAROKKO BLOG - BIKEPACKING IN AFRIKA 

Zwei Wochen Marokko erfüllten mein Bikepacker-Herz! Atemberaubende Natur, freundliche Menschen, Einblicke in eine andere Kultur, sowie völlig unterschiedliches Wetter machten zwei Wochen Marokko zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Berbersprachen und wärmendes Feuer

Mit kleinem Gepäck ging es von Agadir aus direkt in Richtung Atlasgebirge. Zunächst durch Steppe und karges Land, jedoch wider Erwarten bei starkem Regen. Marokko und Regen? Seit Wochen hatte es kaum Niederschlag gegeben, doch offensichtlich hatten wir ihn mitgebracht. Für die Menschen bedeutete das ein riesiges Glück und letztlich auch für uns, was wir jedoch am ersten Radtag so noch nicht erkennen konnten. Nach einer ersten Nacht im Zelt, versteckt zwischen Sträuchern, ging es am folgenden Tag hinauf zum Tizi N´Test (2200m). Die Straße schraubte sich aus der Wüste heraus und mit jedem Höhenmeter kam ein wenig mehr Leben in die Landschaft. Statt Dörfern trafen wir allerdings auf Zeltstädte. Im September `23 wurde dieses Gebiet von einem starken Erdbeben heimgesucht und so standen da nun unzählige Zelte anstelle der ursprünglichen Lehmhäuser. Nahe dem Gipfel gab es ein kleines, vom Erdbeben größtenteils verschontes Hotel, in dem wir uns am Feuer aufwärmten, Schuhe trockneten und mit den Einheimischen in einer bunten Mischung aus Englisch, Französisch und Zeichensprache munter in Kontakt kamen. Teilweise sprechen die Menschen in den Bergen weder Französisch noch Arabisch, sondern einen Berberdialekt, was die Verständigung immer sehr lebhaft machte. Die Menschen haben viel verloren, jedoch nicht ihre Lebensfreude!

Unfreiwillige Fastenzeit

Unsere Hauptnahrungsmittel waren Weißbrot mit Erdnussbutter und Kekse aller Art. Beim Weißbrot verwiesen die Verkäufer meist darauf, dass es schon alt wäre, aber wir nahmen es trotzdem. Warum das? Wir hatten bei unserer Planung nicht bedacht, dass in Marokko zu der Zeit Ramadan sein würde. Das bedeutet, dass die Nacht zum Tag gemacht, vormittags lange ausgeschlafen und ein Cafe oder Restaurant nicht vor 21 Uhr wieder öffnet. Wer wild zeltet kommt damit nur schwer an genussvolle Speisen.

Das Atlasgebirge – atemberaubend und unfassbar schön

Das Atlasgebirge empfing uns mit Regen, Wolken und unglaublich starkem Wind. Frierend und nass überquerten wir es erstmals. Die ungemütliche Nacht auf 1200m verbrachten wir mit Rettungsdecken über dem Schlafsack und auch der Morgen darauf hatte es in sich: Unser Zelt wurde samt Inhalt weggeblasen, sodass wir es festhalten und unter größten Mühen im Sturm zusammenpacken mussten. Aber es war der Auftakt zu einem wunderschönen Tag. Wir befanden uns inzwischen am nördlichen Rand des Atlasgebirges und fuhren parallel zur Bergkette an Marrakesch vorbei in Richtung Demnate. Auf den Gipfeln des prächtigen Gebirges leuchtete - dank des für uns zunächst unangenehmen Niederschlags - Schnee und im Tal schimmerte es auf den Feldern grün. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus: Ein solch farbenfrohes Marokko hatten wir nicht erwartet. Nach einer ruhigen Nacht im Tal beschlossen wir nochmals den Atlas zu überqueren, da er uns völlig in seinen Bann gezogen hatte. Es ging hoch hinaus auf 2300m und wir wurden dabei wieder für jeden Schweißtropfen belohnt. Wir wählten eine kleinere Straße, die nicht immer befestigt war, doch dafür hatten wir die unfassbar schöne Natur nahezu für uns alleine. Inmitten der 4000er, von Schnee und einer absoluten Stille und Einsamkeit umgeben - so wird mir diese zweite Überquerung des Gebirges in Erinnerung bleiben. Die Landschaft war einfach atemberaubend! Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Dank unserer Gravelräder bewegten wir uns in einer kaum berührten und beeindruckenden Natur, in der uns nur Menschen mit bepackten Eseln begegneten. 

Sand, soweit das Auge reicht

Von den Höhen des Atlasgebirges konnte man schon erahnen, welche Landschaft nun auf uns warten würde. Mit jedem Kilometer der Abfahrt wich aus der Natur ein Stück Leben und letztlich blieb in der Nähe Ouarzazate nur noch der bloße Sand übrig. Nicht ohne Grund wurde in dieser Hochfläche das größte solarthermische Kraftwerk der Welt erbaut. 365 Tage Sonne im Jahr sprechen für sich! Ich hatte schon immer davon geträumt, mal in einer solch flachen Wüste mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, doch nach einer Stunde war der Stimmungshöhepunkt bereits erreicht und ich sehnte mich nach Abwechslung zu endlosem Sand, unendlicher Weite und brutaler Hitze. Das Zelt mitten in einer solchen Landschaft aufzuschlagen, war jedoch etwas Besonderes - und Schwierigkeiten bei der Platzsuche hatten wir definitiv keine 😊!

Gorges de Dades 

Wüste und Bergwelten hatten wir schon durchfahren und nun folgte mit der Dades-Schlucht noch ein dritter landschaftlicher Höhepunkt. Aufgrund der unbefestigten Straße am Ende der Schlucht ist die Dadesschlucht deutlich weniger touristisch frequentiert wie die Thodra-Schlucht wenige Kilometer nebenan. Herrlich schlängelt sich die Straße durch eine nicht enden wollende Oase. Die stetige Steigung nimmt man kaum wahr, da das Auge das saftige Grün als wohltuend und abwechslungsreich empfindet. Hinzu kommt eine kurzweilige Streckenführung, die einen teilweise direkt am Wasser durch ganze Felsmassive hindurchführt, sofern man nicht oberhalb der Schlucht fährt und wunderbare Ausblicke genießt.

Maraokkos Tierwelt und der Ramadan

Esel- und Pferdekarren sowie Kamele gehören in Marokko so zum alltäglichen Bild, dass man sie schnell als völlig normal betrachtet. Dass wir uns aber auf einem anderen Kontinent befanden, wurde mir wirklich bewusst, als wir ein riesiges Chamäleon sahen, das sich dem Schotterweg so gut anpasste, dass es fast unter meine Schwalbe-Reifen gekommen wäre. Und dem nicht genug: Wenig später überquerte ein beeindruckender Skorpion gemütlich die Straße. Ich wäre ihm ungern morgens vor meinem Zelt begegnet.

Marokko war eine Reise mit unglaublichen Eindrücken und Erfahrungen und ich kann nur empfehlen, es mit dem Gravelbike zu erkunden. Es gab viele freundliche, uns anfeuernde Menschen, die es schön fanden, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs waren und freundlich von Esel zu Drahtesel grüßten. Einzig den Ramadan zu beachten könnte den Urlaub - kulinarisch gesehen - abwechslungsreicher machen.

Gruß Ben

Hegelstraße 7
72663 Großbettlingen
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