


Das Jahr 2024 war auf dem Rad wieder ein höchst ereignisreiches. Gestartet bin ich im Januar auf Sizilien u.a. mit einer mystischen Fahrt auf den Vulkan Ätna. An Fasching wurden herrliche Kilometer im Radlerparadies Girona gesammelt, bevor an Ostern das Abenteuer durch das Atlas Gebirge und die Wüste Marokkos folgte. Das RaceThroughPoland an Pfingsten war ein sensationelles Ereignis mit einigen Qualen, aber auch wunderschönen menschlichen Begegnungen. Es folgte die Kuchenjagd durch die Schweiz im Zweierteam und schließlich im Hochsommer Badlands, das Gravelrennen durch die atemberaubenden spanischen Wüsten und Landschaften, das mich erneut in seinen Bann zog. Der Abschluss meines aufregenden Jahres bildete die 24h Non-Stop-Fahrt nach Paris. Nach dem Erreichen des Eiffelturms benötigten Körper und Geist erstmal ein wenig Abstand vom geliebten Drahtesel, bevor es wieder mit vollem Elan und Vorfreude losging.
Möglichkeiten eines Gravelbikes
Im Herbst packte ich meine Radtaschen, holte erwartungsvoll mein Arc8 Gravelrad aus der Pause und machte mich auf in den Schweizer Nationalpark, sowie zu den schönen Pässen Graubündens (CH) und der Lombardei (IT).
Von Landeck aus führten mich unbekannte Gravelpassagen entlang des Inns nach Scuol. Ich lernte die Gegend von einer völlig neuen Seite kennen, obwohl ich dort schon zwei Jahre meines Lebens verbrachte habe. Damals besaß ich jedoch ausschließlich ein Rennrad, das mir offensichtlich schönste Strecken und traumhafte Blickwinkel vorenthielt. Glücklich über diese neue Möglichkeit rollte ich durch das Alpenpanorama. Der Kies knisterte unter meinen Schwalbe Reifen, der Inn rauschte wild durch die Bergwelt und das Auge kam beim goldfarbenen Herbstkleid der Lärchen auf seine Kosten.
Ich stattete dem Schwarzsee bei Tarasp – ein absoluter Geheimtipp – einen Besuch ab, bevor ich am Abend mein 850g leichtes Zelt unter einem herrlichen Sternenhimmel aufschlug. Auf 1500m mummelte ich mich in zwei Sommerschlafsäcke, sowie einem zusätzlichen Seideninlett ein und ließ einen traumhaften Tag Revue passieren.
Einsames Graveln
Meine Tour folgte von nun an dem „Alpine Bike 1“, auf Empfehlung meines größten Fans, meinem knapp 97-jährigen Opa. Die „Alpine Bike 1“ beginnt mit einem Aufstieg in das idyllische Tal S-Charl. Entlang des Tals bietet der glasklare Clemgiabach pure Bergidylle, jedoch verlieh er an diesem Morgen der Stimmung eine kühle Note und ich war sehr froh, dass die Sonne sich wärmend meldete und mir eine Prachtfahrt hinauf zum Pass da Costainas bescherte. Autofrei führt ein Kiesweg durch unfassbar schöne Natur entlang des Bachs hinauf auf 2200m. Warum es eine Mountainbike Route war, zeigte sich erstmals nach dem Pass auf der Abfahrt ins Münstertal, als ich sehr froh um meine 45mm breiten Reifen war, die mir auch hier das Fahren ermöglichten. Aus dem Münstertal hinaus führte ein Aufstieg durch einen goldenen Lärchenwald ins naturbelassene Val Mora, eines der schönsten Täler der Schweiz. Die Wildnis Kanadas scheint hier zum Greifen nahe.
Es folgte ein steiniger Trail hinab nach Italien zum Lago Di San Giacomo, wo ich mein Zelt in völliger Einsamkeit aufschlug. Um diese Jahreszeit und auf über 2000m war es um den See wie ausgestorben und ich konnte mir den schönsten Nachtplatz direkt am Wasser aussuchen. Bei sternklarer Nacht wurde das Zelt von Eis ummantelt, jedoch verbrachte ich eine wohlige Nacht dank der zwei Schlafsäcke und einer zusätzlichen Rettungsdecke. Vielen ist die überraschend starke Wirkung dieser hauchdünnen gold- und silberfarbenen Decke nicht bewusst. Testet sie! – Auf keiner meiner Touren darf sie fehlen, wie ihr vermutlich schon festgestellt habt.
Über perfekte Wege, aber auch steile Mountainbike Trails, ging es über den Passo Trela (2294m) nach Livigno und ich verließ die Abgeschieden- und Einsamkeit und hatte Spaß an den autofreien Pässen dieser Jahreszeit. In den folgenden zwei Tagen erreichte ich noch sieben Passschilder. Die bekanntesten darunter waren sicherlich das Stelvio, sowie der Berninapass.
Herausfordernde Jahreszeit
Im späten Herbst eine solche Radtour in dieser Höhe und mit dem Zelt zu unternehmen, ist mit Sicherheit nicht immer ein Zuckerschlecken, jedoch erlebt man so diese Bergregion ohne großen Tourismus und speziell das Engadin als einmaliges Naturfarbenspiel. Warum man die Landschaft für sich hat, wird einem spätestens dann bewusst, wenn man morgens das Eis von der Zeltwand klopft. Es ist nur möglich, dank perfektem Material und einer gewissen Leidensfähigkeit in Momenten wie z.B. dem Umziehen am Morgen vor dem Zelt, wenn selbst der See vor Kälte dampft.
Ohne Kompromisse
Zur Unterhaltung musste auch ein Buch ins Gepäck. (Natürlich zum Thema Radsport: „Der Plan“). Zu meinem Erschrecken wog es jedoch so viel wie mein Zelt. Kurzerhand wurden mit dem Küchenmesser der Buchdeckel und die Buchrückseite abgeschnitten. Entzückt stellte ich fest, dass damit ein Drittel des Gewichts schon in den Müll gewandert war. Die verbliebenen Seiten wurden, sobald sie gelesen waren, nach und nach aus dem Buch entfernt und so schwand das restliche Gewicht, während ich noch gemütlich an einem Feuer saß oder schon eingepackt in meinem Zelt schmökerte.
Vielseitigkeit eines Gravelrades
Wer es nicht bemerkt haben sollte: Neben passendem Material zum Übernachten und Kleiden war mein Arc8 Gravelrad der entscheidende Faktor für so viel Freude in diesen Tagen. Mit ihm konnte ich über Kieswege brettern, es bot mir auf Trails die nötige Sicherheit und erlaubte mir auf Alpenpässen Rennradlern meine Rückleuchte zu zeigen. Ich hatte wieder jede Menge Spaß – danke Hardys!
Vorfreude wurde geweckt
In das neue Jahr startete ich auf ganz andere Art und Weise. Anstatt das Eis vom Zelt zu klopfen, genoss ich die wärmenden Sonnenstrahlen Südfrankreichs bei Montpellier. Knapp über dem Meeresspiegel verbrachte ich viele Stunden auf den einsamen und typischen kleinen Sträßchen Frankreichs: Geflickter Teer, kein Mittelstreifen, keine Autos und der Wegesrand gesäumt von Kilometersteinen ließen die Zeit auf dem Rad vergessen. Frankreich hat sich erneut als herrliches Pflaster für mich zum Radfahren erwiesen und die Vorfreude auf den Frühling geweckt.
Das Jahr 2025 wartet mit neuen Abenteuern und Rennen in bislang noch unbekannten Ländern auf mich und auch in Sachen Material wird sich einiges verändern. Ich freue mich darauf, euch auf meine Abenteuer mitzunehmen und hoffe, ihr seid ebenfalls gut ins neue Jahr geradelt.
Gruß Ben
Mein Übernachtungsgepäck:
| Isomatte | Therm-a-Rest “NeoAir UberLight” |
| Schlafsack 1 | Sea to Summit “Spark SpI +5” |
| Schlafsack 2 | Vaude “Arctic 450” |
| Innenschlafsack | Cocoon, Seide |
| Zelt | Big Agnes “Fly Creek HV UL1” |
Anmerkung: Zelte wie auch Schlafsäcke können häufig viel kompakter transportiert werden, wenn nicht die originalen Packsäcke verwendet werden. Es ist ein kleines Puzzlespiel, welches der gerade noch passende Kompressionssack ist, aber bei Radreisen mit begrenztem Packvolumen lohnend.








