


Eigentlich hatte ich nach „Transatlanticway 25“ in Irland meine Saison für beendet erklärt. Bei „The Traka“ lief es mit Platz 3 in einem unfassbaren Feld schon überragend, und mit dem Sieg bei „Transatlanticway“ wurde das Ganze für mich nochmals getoppt. Zwei Mal hatte ich meine eigenen Erwartungen übertroffen, war in Irland fünf Tage lang jeweils knapp 500 km geradelt und hatte einen neuen Streckenrekord aufgestellt – was sollte da noch kommen? Das Jahr war schon perfekt für mich!
Mein lieber Dickkopf
Eine meiner großen Stärken ist meine Hartnäckigkeit. Selbst wenn ich körperlich am Limit bin und phasenweise in Rennen absolut keine Lust mehr verspüre, weiterzufahren, habe ich immer mein Ziel vor Augen und steige nicht ab. Ich fahre, bis ich den Spaß wiederfinde oder meine Mission beendet habe.
So hatte mein Dickkopf nach Irland das Gefühl, für dieses Jahr alles erreicht zu haben und schaffte es, dass ich 30 Tage lang mein Rad nicht mehr anfasste. Ich lief täglich an ihm vorbei, aber sah keinen Grund, mich auch nur für eine kurze Genussfahrt auf den Sattel zu schwingen.
Zwischensprint
Ganz ohne Sport ging es dann doch nicht, und so meldete ich mich relativ spontan beim Ermstal-Marathon für einen 10-km-Lauf an. Mit einer Pace von 3:37 und einer Endzeit von 36:30 min bewies ich mir, dass von meiner Form von Irland her doch noch etwas übrig geblieben sein musste und schrieb noch am selben Abend dem Veranstalter von „The Alps“, ob ich meine Absage für sein Rennen zurücknehmen könnte.
Die Herausforderung
„The Alps Ultracycling Adventure“ ist ein Bikepacking-Rennen über 616 Kilometer und 18.500 Höhenmeter. Die Route startet in Gmund am Tegernsee und führt über die Alpen durch Tirol und Norditalien bis in die Nähe des Gardasees.
Gefahren wird überwiegend abseits der Straßen auf Schotter- und Forstwegen, teils auf Singletrails und mit Hike-a-Bike-Passagen.
Das Rennen ist unsupported, die Route vorgegeben und aller Voraussicht nach eine echte Herausforderung. Es warten im Schnitt 3.000 hm auf 100 km auf mich!
Ungewohnte Vorbereitung
Normalerweise bin ich in der Vorbereitung eines Rennens sehr perfektionistisch und überlasse nichts dem Zufall. Bei „The Alps“ jedoch steht das Abenteuer im Vordergrund. Ich habe eine Trainingspause von über einem Monat hinter mir und es wäre vermessen zu glauben, mit der gleichen Fitness am Start zu stehen, wie bei den bisherigen Rennen. Nichtsdestotrotz glaube ich, ordentlich mitfahren zu können.
Mental gilt es, sich auf langsames Kilometersammeln einzustellen. Der Vorjahressieger beendete das Rennen in 62 Stunden und das bei nur 616 Kilometern. Ich stelle mich daher auf viele Abschnitte ein, bei denen es das Rad zu tragen oder zu schieben gilt.
Anpassung des Materials
Wenn schon der Fahrer nicht zu 100 Prozent vorbereitet ist, dann zumindest das Rad!
Hardys hat mir vorne anstatt eines 42er ein 36er-Kettenblatt montiert. Ich werde so kleine Gänge wie nie zur Verfügung haben und eventuell dem einen oder anderen Schiebeabschnitt ein Schnippchen schlagen können.
Dazu kommen 50-mm-Reifen, die mir viel Komfort, Sicherheit und Grip bieten werden. Man muss wissen: Der Sieger vom letzten Jahr fuhr ein vollgefedertes Mountainbike. Es wird also für mich körperlich anspruchsvoll – nicht nur bei den Anstiegen, sondern vor allem bei den Abfahrten.
Um während der Wanderabschnitte meine Nerven zu schonen habe ich von meinen harten Fizik Carbon- Klickschuhen auf die Fizik Terra Ergolace gewechselt. Der Schuh ist ein robuster und komfortabler MTB- und Gravel-Schuh mit einer Vibramsohle und sollte für dieses Rennen genau der richtige sein. Einen ticken weicher auf dem Pedal, jedoch zu Fuß mit enormen Vorteilen gegenüber meinen normalen Klickschuhen.
Mit dem individuell angepassten Fizik one2one Sattel aus dem 3D Drucker sollten Probleme am Gesäß der Vergangenheit angehören. „The Alps“ wird der erste Härtetest.
Ich werde eine Oberrohrtasche und eine kleine Rahmentasche von Tailfin montieren und die Taschen hauptsächlich mit Gels füllen. Um eine möglichst geringe Standzeit zu haben, werde ich 3,3 Liter an Wasser mit mir tragen.
Sollten wider Erwarten meine Tubelessreifen ein Loch bekommen, so habe ich den „Dynaplug Racer“ dabei – ein geniales Werkzeug zur schnellen Reparatur von Tubeless-Reifen.
Ein
Hält der Plan dem Startschuss stand?
Ich gehe bei „The Alps“ hauptsächlich deswegen an den Start, weil es eine unglaublich schöne Route verspricht. Ich freue mich darauf, die Alpen auf kleinsten Wegen abseits des Verkehrs zu überwinden und an schönen Hütten und Bergdörfern vorbeizukommen. Ich muss nicht auf Biegen und Brechen ans Limit gehen und um jede Platzierung kämpfen, kann mir eine Schlafpause gönnen und – wenn nötig – an einer Hütte einen Kaffee. So meine bisherige Vorstellung…
Ich kenne mich aber: Es kann mit dem Startschuss auch passieren, dass ich schlagartig in den Rennmodus eintauche - trotz unperfekter Vorbereitung. Wir werden sehen.
Gruß Ben






